Verdachtskündigung: Wer zu früh kommt, greift mit seiner Kündigung daneben

Ein Arbeitnehmer hatte eine Platte beiseitegestellt. Diese war nicht verkäuflich. Der Arbeitgeber unterstellte, dass sein Mitarbeiter diese Platte stehlen wollte. Er kündigte fristlos. Der Arbeitnehmer erhob Kündigungsschutzklage – und gewann.

Die Platte hatte das Unternehmen noch nicht verlassen. War unverkäuflich. Den Beschäftigten war es erlaubt, für unverkäufliche Ware die Erlaubnis bei den Vorgesetzten einzuholen, diese mit nach Hause nehmen zu dürfen. Es war zum Zeitpunkt der Kündigung noch völlig ungewiss, ob der Arbeitnehmer seinen Vorgesetzten fragen, die Platte einfach im Betrieb entsorgen oder tatsächlich unerlaubt mit nach Hause nehmen würde. Die fristlose Kündigung wurde in Bausch und Bogen kassiert (LAG Köln, jetzt veröffentlichtes Urteil 25.1.2022, Az: 4 Sa 414/21).

Wichtig: Der Arbeitnehmer hatte aus anderen Gründen bereits drei Abmahnungen bekommen. Das spielte hier keine Rolle. Diese Abmahnungen waren aus anderen Gründen ausgesprochen worden. Offensichtlich kam der neue „Vorfall“ dem Arbeitgeber gerade recht, um den Arbeitnehmer loszuwerden. Der Kündigungsgrund erschien nicht nur dem Gericht reichlich vorgeschoben.

Achten Sie in der Kündigungsanhörung deshalb auch auf solche Vorzeichen, wie häufige Abmahnungen im Vorfeld. Bei einer Verdachtskündigung muss mit sehr großer Wahrscheinlichkeit feststehen, dass die Tat dem Beschäftigten zuzuordnen ist und tatsächlich erfolgte. Das sollte Ihr Kriterium bei der Frage sein: „Stimmen wir zu oder nicht?“

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Über uns

Vor einigen Jahren brauchte ich dringend Informationen zu einer arbeitsrechtlichen Fragestellung in eigener Sache.

Ich setzte mich also an den PC und legte los: 256.365 Ergebnisse. Allein zu meiner Anfrage. Viel. Sehr viel, viel zu viel.

Aber wo finde ich die für mich relevante Information?

Und ist diese überhaupt noch aktuell? Und dann dieses Juristen-Deutsch… Auch nach mehrmaligem Lesen war ich mir unsicher, wie die rechtssichere Vorgehensweise aussieht und wie meine Rechte sind. Hätte ich einen Betriebsrat an meiner Seite gehabt, hätte ich mich direkt an ihn gewendet. Und genau hier wurde ich nachdenklich…

Betriebsräte kümmern sich um die unterschiedlichsten Belange ihrer Kollegen. Kündigungsschutz, Arbeitszeit, Gesundheitsschutz, usw. Und das alles müssen sie meistern, sobald sie gewählt sind. Je länger ich darüber nachdachte, desto stärker wurde mir klar, dass dies einen Riesenberg Arbeit für alle Betriebsratsmitglieder bedeutet und unzählige Fallstricke beinhaltet.

So entschloss ich mich, Betriebsräte in ihrer Tätigkeit so gut wie möglich zu unterstützen und in dieses Projekt mein gesammeltes Verlagswissen einzubringen. Ich suchte mir ein Team aus Experten der Bereiche Arbeitsrecht, Betriebsrat, Arbeits- und Gesundheitsschutz zusammen und legte los. Die Reaktionen auf die ersten Ausgaben waren durchweg positiv und bestärkten uns, unser Produktangebot nach und nach auszuweiten.

Seit diesem Tag setzen wir uns mehrfach im Monat in unseren Bonner Verlagsräumen zusammen und besprechen die neuesten Entwicklungen in Wirtschaft, Recht und Politik, die für Sie als Betriebsrat von Interessen sind. Dann beginnt der spannende Teil: Die Diskussion wie wir die aktuellen Entscheidungen auf den Punkt bringen, und noch viel wichtiger: Wir klären, wie Sie als Betriebsrat die neuesten Entwicklungen schnell und direkt in Ihren Betrieben umsetzen können. Tipps und Checklisten runden unsere Beiträge ab. Die Ergebnisse lesen Sie jeden Monat.

Wir möchten Ihnen genau die Informationen aufbereiten, die für Ihre tägliche Arbeit als Betriebsrat wichtig sind. Nutzen Sie die Chance, die Produkte mitzugestalten und nehmen Sie Kontakt zu uns auf. Wir freuen uns sehr über Ihre Anmerkungen! So hat unser Team immer ein offenes Ohr für Sie und Ihre Belange. Schreiben Sie uns!