So retten Sie angebliche Low Performer vor der Kündigung

Ein als Außendienstler eingestellter Arbeitnehmer kam mit seinen Umsatzerlösen nicht an die Erwartungen seines Arbeitgebers heran. Dieser kündigte, ohne die Minderleistung vorher abgemahnt zu haben. Abgemahnt hatte er lediglich eine vermeintlich von seinem Beschäftigten ausgeübte Nebentätigkeit, da er sich diese – entgegen der Vereinbarung im Arbeitsvertrag – nicht hatte genehmigen lassen. Der Arbeitnehmer erhob Kündigungsschutzklage – und gewann (Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz, Urteil vom 5.11.2020, Az: 5 Sa 167/20).

Die Klage wegen Minderleistung scheiterte daran, dass der Arbeitgeber nicht substantiiert vortragen konnte, woran er die Minderleistung festmachte. Zwar hatte der Außendienstmitarbeiter den Umsatz in seinem Verkaufsgebiet gegenüber den Vorjahren nicht gesteigert – aber auch nicht wesentlich gesenkt. Zum anderen erhielt der Arbeitnehmer in den ersten beiden Jahren laut Vertag einen Fixlohn – erst ab dem dritten Jahr sollte sich der Lohn auf einen mit einer starken Erfolgskomponente abhängigen Variante ändern.

Die Kündigung erfolgte im zweiten Jahr der Beschäftigung. Die Erfolgskomponenten griffen noch gar nicht – und vom Arbeitgeber fehlten klare Signale (Abmahnung), dass er die bisherige Leistung für nicht ausreichend hielt. Dass er die vermeintlich unerlaubte Nebenbeschäftigung dann zum Anlass nahm, um wegen Minderleistung zu kündigen, machte die Sache arbeitsrechtlich nicht besser. Kündigung unwirksam.

Meine Empfehlung: So können Sie als Betriebsrat in solchen Fällen helfen

Werden Sie im Rahmen der Kündigungsanhörung mit der Kündigung eines vermeintlichen Low Performers konfrontiert, prüfen Sie, ob Ihr Arbeitgeber wirklich alles versucht hat, den Betroffenen aus dem (vermeintlichen) Leistungstief herauszuholen.

Dazu bieten sich Mitarbeitergespräche an – oder auch die Vereinbarung von konkreten Zielen. Falls Ihr Arbeitgeber dies nicht versucht hat, sprechen Sie ihn darauf an.

Die Ursachenforschung halte ich für das A und O. Sind es persönliche Schicksalsschläge, die dazu führen? Sind es neue Arbeitsmethoden, die den Mitarbeiter überfordern? Sprechen Sie Betroffene an – und machen Sie deutlich: Je mehr Sie wissen, umso mehr besser können Sie helfen.

Die fortschreitende Digitalisierung bringt oft rasante Umstellungen von Arbeitsprozessen mit sich: Nicht jeder Kollege kann hier mithalten. Auch das kann zu – vermeintlicher – Schlechtleistung führen. Mit einer Betriebsvereinbarung steuern Sie erfolgreich gegen.

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Über uns

Vor einigen Jahren brauchte ich dringend Informationen zu einer arbeitsrechtlichen Fragestellung in eigener Sache.

Ich setzte mich also an den PC und legte los: 256.365 Ergebnisse. Allein zu meiner Anfrage. Viel. Sehr viel, viel zu viel.

Aber wo finde ich die für mich relevante Information?

Und ist diese überhaupt noch aktuell? Und dann dieses Juristen-Deutsch… Auch nach mehrmaligem Lesen war ich mir unsicher, wie die rechtssichere Vorgehensweise aussieht und wie meine Rechte sind. Hätte ich einen Betriebsrat an meiner Seite gehabt, hätte ich mich direkt an ihn gewendet. Und genau hier wurde ich nachdenklich…

Betriebsräte kümmern sich um die unterschiedlichsten Belange ihrer Kollegen. Kündigungsschutz, Arbeitszeit, Gesundheitsschutz, usw. Und das alles müssen sie meistern, sobald sie gewählt sind. Je länger ich darüber nachdachte, desto stärker wurde mir klar, dass dies einen Riesenberg Arbeit für alle Betriebsratsmitglieder bedeutet und unzählige Fallstricke beinhaltet.

So entschloss ich mich, Betriebsräte in ihrer Tätigkeit so gut wie möglich zu unterstützen und in dieses Projekt mein gesammeltes Verlagswissen einzubringen. Ich suchte mir ein Team aus Experten der Bereiche Arbeitsrecht, Betriebsrat, Arbeits- und Gesundheitsschutz zusammen und legte los. Die Reaktionen auf die ersten Ausgaben waren durchweg positiv und bestärkten uns, unser Produktangebot nach und nach auszuweiten.

Seit diesem Tag setzen wir uns mehrfach im Monat in unseren Bonner Verlagsräumen zusammen und besprechen die neuesten Entwicklungen in Wirtschaft, Recht und Politik, die für Sie als Betriebsrat von Interessen sind. Dann beginnt der spannende Teil: Die Diskussion wie wir die aktuellen Entscheidungen auf den Punkt bringen, und noch viel wichtiger: Wir klären, wie Sie als Betriebsrat die neuesten Entwicklungen schnell und direkt in Ihren Betrieben umsetzen können. Tipps und Checklisten runden unsere Beiträge ab. Die Ergebnisse lesen Sie jeden Monat.

Wir möchten Ihnen genau die Informationen aufbereiten, die für Ihre tägliche Arbeit als Betriebsrat wichtig sind. Nutzen Sie die Chance, die Produkte mitzugestalten und nehmen Sie Kontakt zu uns auf. Wir freuen uns sehr über Ihre Anmerkungen! So hat unser Team immer ein offenes Ohr für Sie und Ihre Belange. Schreiben Sie uns!